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Zahl der „schwierigen“ Kinder und Jugendlichen wächst: Letzter – Ausweg Heimunterbringung

Redaktion 9. Oktober 2019 3 Minuten gelesen

Geilenkirchen. Mit großer Mehrheit sprach sich der Geilenkirchener Jugendhilfeausschuss dafür aus. den Haushalt 2010 des Jugendamtes dem Rat zur Annahme zu empfehlen. Der Plan sieht Ausgaben von rund 14,6 Millionen bei Einnahmen von knapp elf Millionen Euro vor. Allerdings, so Jugendamtsleiter Wilfried Schulz, konnte der Planentwurf noch nicht alle zu erwartenden Ausgaben aufnehmen, unter anderem weil die Finanzierung der neu geplanten Kita-Einrichtungen sich noch nicht darstellen lässt.

„Mehr Kinder – mehr Kosten“ – so begründete der Jugendamtsleiter die Ausgabensteigerungen. Allein im Bereich „Hilfen zur Erziehung“ werde man rund 2,9 Millionen Euro als Beitrag zur Heimunterbringung für Kinder und Jugendliche aufbringen und liege damit im landesweiten Trend, da in Nordrhein-Westfalen die Zahl der Heimunterbringungen um 80 bis 90 Prozent gestiegen sei. Welche Dramatik hinter solchen Zahlen steckt, wurde bei den Ausführungen von Peter Barwinski, Leiter der Jugendeinrichtung Franz-von-Sales-Haus, deutlich. In dieser Einrichtung wird noch eine Tagesbetreuung als „teilstationäre Hilfe“ für Jugendliche angeboten. diese sei jedoch kurz vor dem Aus wegen zu geringer Auslastung. Eine entsprechende Einrichtung der Caritas sei bereits geschlossen worden. Grund, so Barwinski, sei die vermehrte Einweisung in Erziehungsheime.

Die Notwendigkeit dazu beschrieb Jugendamtsleiter Wilfried Schulz mit der Feststellung, dass es zurzeit eine extrem hohe Zahl von besonders schwierigen Kindern und Jugendlichen gebe, die nicht mehr für eine Tagesbetreuung geeignet sind.  In manchen Familien gebe es nur noch Hass zwischen Kindern und überforderten Eltern. Auffällig würden Kinder im immer geringeren Alter. Alkohol- und Drogenprobleme gebe es schon bei den 13- und 14jährigen. Man denke ständig über neue Betreuungsformen auch schon für sechs- bis zwölfjährige Kinder nach, eventuell in offenen Stadtteilangeboten.

Während Ruth Thelen für die Grünen bei einer wachsenden Ausgabenposition, nämlich den Kosten für die derzeit neun Schulbegleiter oder Integrationshelfer für besonders förderbedürftige Kinder, von einer sinnvollen Präventionsarbeit sprach, vermisste sie Angebote im Freizeitbereich. Früher, so Ruth Thelen, habe es mehr Jugendtreffpunkte bis hin zu Jugendkneipen gegeben, das jetzige Angebot allein durch den Jugendtreff „Zille“ reiche nicht aus. Bei 2,9 Millionen Euro für Heimunterbringung seien 170.000 für die freien Angebote zu wenig.

Die Kritik wies Beigeordneter Herbert Brunen zurück. Falls es früher mehr Angebote gegeben habe, so seien das keine der Kommune gewesen, sagte Brunen. Die Stadt habe Jahr für Jahr mehr Geld für die Jugendarbeit ausgegeben. „Die sozialpädagogische Diagnostik ist quasi in unserem Haus erfunden worden“, unterstrich er die Bemühungen der Verwaltung. Dass es eine eigentlich gut funktionierende Jugendarbeit seitens der Verwaltung gebe, bestätigte Karola Brandt von der Bürgerliste. Sie bedauerte das Scheitern der Tagesbetreuung und stellte fest, dass man heute eine andere Realität in den Familien habe. Das bemerke sie auch in ihrer Arbeit als Anwältin. Von katastrophalen Familienverhältnissen sprach auch Ausschussvorsitzender Stefan Mesaros. „Viele früher erfolgreiche Maßnahmen greifen heute nicht mehr“, stellte er fest. Dass Kindern und Jugendliche immer schwerer zu erreichen sind, berichtete Lars Speuser (CDU) auch aus der Vereinsarbeit. Auch die Vereine und Jugendheime meldeten rückläufige Zahlen.

Die Abstimmung ergab schließlich  gegen die Neinstimme der Grünen eine große Mehrheit für die Empfehlung an den Rat, den Haushalt des Jugendamtes zu bestätigen. (mh)

 

 

 

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