Die Vertreter der Geilenkirchener Schulen mit der Verwaltungsspitze der Stadt.
Geilenkirchen. Die Leiter der Geilenkirchener Schulen kamen am Montag ins Rathaus, um eine Kooperationvereinbarung mit dem Jugendamt zu unterzeichnen. Dabei möchte die Stadt Geilenkirchen ein weiteres wichtiges Zeichen für den Schutz von Kindern und Jugendlichen setzen. In der Vereinbarung zwischen den Grundschulen, den weiterführenden Schulen und dem Jugend- und Sozialamt werden verbindliche Verfahrenswege für den Umgang mit Verdachtsfällen einer Kindeswohlgefährdung geschaffen. Die Vereinbarung wurde in einem intensiven, fast zwei Jahre dauernden fachlichen Entwicklungsprozess erarbeitet und bildet künftig die Grundlage für eine noch engere und verlässlichere Zusammenarbeit aller Beteiligten.
Im Mittelpunkt der gemeinsamen Arbeit stand die Entwicklung eines gemeinsamen Verständnisses des unbestimmten Rechtsbegriffs der Kindeswohlgefährdung. Darüber hinaus wurden berufsspezifische Handlungswege, Verantwortlichkeiten sowie die Aufgaben und Grenzen der jeweiligen Professionen im Kinderschutz intensiv diskutiert und aufeinander abgestimmt.
Mehr Handlungssicherheit für alle Beteiligten
Durch die schriftliche Festlegung konkreter Aufträge, Verfahrensschritte und Kommunikationswege zwischen Schulen und Jugendamt werden bestehende Schutzketten weiter optimiert. Ziel ist es, allen Beteiligten mehr Handlungssicherheit zu geben und Verdachtsfälle rechtssicher, zügig und transparent zu bearbeiten. Die Vereinbarung bietet hierfür einen klaren Orientierungsrahmen – von der ersten Gefährdungseinschätzung über Gespräche mit Kindern und Erziehungsberechtigten bis hin zur Beratung durch eine insoweit erfahrene Fachkraft sowie der Information des Jugendamtes.
„Kinderschutz beginnt nicht erst dann, wenn etwas passiert ist – er beginnt mit einer guten Zusammenarbeit aller, die Verantwortung für unsere Kinder tragen. Genau dafür schaffen wir mit dieser Vereinbarung eine noch stärkere Grundlage. Das ist nicht nur ein gesetzlicher Auftrag, sondern für uns eine Herzensangelegenheit“, betont Bürgermeister Armin Leon.
Besondere Rolle der Schulen
Schulen nehmen dabei eine besondere Rolle ein. Sie sind für Kinder und Jugendliche nicht nur Lernorte, sondern ein wichtiger Teil ihrer Lebenswelt. Lehrkräfte und weitere pädagogische Fachkräfte erleben die Kinder täglich und bemerken häufig als Erste Veränderungen im Verhalten oder Anzeichen dafür, dass familiäre Belastungen den Alltag eines Kindes beeinträchtigen. Um in solchen Situationen sensibel und gleichzeitig strukturiert handeln zu können, wird die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Jugendamt nun verbindlich geregelt.
Die Kooperationsvereinbarung verfolgt bewusst einen präventiven Ansatz. Das vorrangige Ziel besteht darin, Familien in schwierigen Lebenslagen frühzeitig zu unterstützen und passgenaue Hilfsangebote anzubieten, bevor sich Krisen verschärfen. Die Kooperationspartner sind sich einig: Schutz und eine gesunde Entwicklung von Kindern gelingen am besten, wenn Schulen, Jugendamt und weitere Fachkräfte Hand in Hand arbeiten und betroffenen Familien frühzeitig Hilfe zur Selbsthilfe angeboten wird.
Ein starkes Netzwerk aus engagierten Menschen
Bürgermeister Armin Leon ergänzt: „Jedes Kind verdient von Anfang an die bestmöglichen Chancen auf ein gutes und sicheres Aufwachsen. Wenn Familien frühzeitig die Unterstützung erhalten, die sie benötigen, können wir gemeinsam viel erreichen. Mir ist wichtig, dass Kinder in Geilenkirchen wissen: Sie sind nicht allein. Hinter ihnen steht ein starkes Netzwerk aus engagierten Menschen, die hinschauen, zuhören und helfen.“
Mit der Vereinbarung trägt die Stadt Geilenkirchen zugleich den Anforderungen des Landeskinderschutzgesetzes Nordrhein-Westfalen Rechnung. Dieses versteht Kinderschutz als gemeinsame Verantwortung aller beteiligten Institutionen und fordert eine verbindliche Netzwerkarbeit, strukturelle Zusammenarbeit sowie eine enge interdisziplinäre Kooperation. Die nun verabschiedete Vereinbarung setzt diese Grundsätze auf kommunaler Ebene konsequent um und stärkt die Verantwortungsgemeinschaft im Kinderschutz nachhaltig.
