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Nüchternes Fazit: Stadtmarketing ist nicht zum Nulltarif zu haben

Redaktion 26. September 2013 4 Minuten gelesen

Geilenkirchen. Zwar war es ein sehr theoretischer Einstieg in das Thema Stadtmarketing, den das Referat von Michael Karutz (CIMA Beratung und Management, Köln) im Geilenkirchener Stadtentwicklungsausschuss gab, doch bot der Vortrag immerhin einige Ansätze, die für die Kommunalpolitiker  bedenkenswert waren. Karutz warnte eingangs seiner Ausführungen davor, Stadtmarketing mit Werbung gleichzusetzen. Es gehe für die Stadt darum, gemeinsam mit Privaten (vor allem also mit der Wirtschaft) einen manchmal missverständlichen Aktionismus durch gezielte Maßnahmen zu ersetzen, wobei man natürlich auch Geld in die Hand nehmen müsse.

Wichtig seien vor allem die Bürgerbeteiligung und der Blick auf den demografischen Wandel. Auch müsse man zum Beispiel gerade in einer Stadt von der Größe Geilenkirchens bedenken, dass vor allem der Mittelstand von den Ballungsgebieten weg in nahe gelegene Mittelstädte ziehe. Der Referent berichtete von seinem Gang durch Geilenkirchen und meinte, man müsse die Stadt mit den Augen eines Kunden sehen. Dabei schneide Geilenkirchen gar nicht schlecht ab, es gebe attraktive Schaufenster, als Fremder merke man, dass der Handel etwas tue. Weitere Stärken der Stadt lägen auf den ersten Blick in der exzellenten Verkehrsanbindung und in einer sichtbaren Internationalität, wozu sicherlich die Nato-Base beitrage.

Auch wenn dieser erste Einstieg in das Thema Stadtmarketing wenig Konkretes bieten konnte, hatte Michael Karutz einen Richtwert hinsichtlich der Kosten parat. Mittelstädte wie Geilenkirchen könnten für ein geeignetes Marketing mit Kosten von etwa 55.000 Euro jährlich rechnen, sagte er, wobei er die niedersächsische Stadt Soltau als Vergleich nannte. Auch in der anschließenden Diskussion wurde mehrfach nach den Kosten gefragt, worauf der Referent vor allem auf die Bürgerbeteiligung verwies, zugleich aber feststellte, dass Stadtmarketing nicht zum Nulltarif zu haben sei. An Beraterkosten für den Start müsse man mit 15.000 bis 20.000 Euro rechnen, und auch danach brauche man ein „Projekt-Budget“. Dass man neben einen Budget vor allem auch Manpower benötigt, betonte Rüdiger Strübig vom Aktionskreis Geilenkirchen. „Das alles muss von einer Person gemacht werden, sonst geht es nicht“, brachte er die Zukunft für das Geilenkirchener Stadtmarketing auf den Punkt.

Zum Thema Stadtmarketing passte der nächste Vortrag im Stadtentwicklungsausschuss: die Vorstellung des „Masterplans Heidenaturpark.  Allerdings lässt bei zwei umfangreichen Referaten hintereinander die Konzentration auch der gutwilligsten Ausschussmitglieder nach. Deshalb gab  Ajo Hinzen vom Planungsbüro BKR Aachen eine ziemlich gestraffte Zusammenfassung dessen, was für den Heidenaturpark geplant ist. Es ging darum, dass sich die Stadt Geilenkirchen diesem grenzüberschreitenden Projekt anschließt, an dem neben Geilenkirchen auch die Kommunen Gangelt, Onderbanken, Brunssum, Landgraaf und Übach-Palenberg beteilgt sind.

„Aus drei mach eins“ umriss Hinzen die Ziele des Masterplans. Gemeint waren damit die drei bislang bestehenden Naturgebiete Rodebach/Rode Beek (750 Hektar), Teverener Heide (450 Hektar) und Brunssumer Heide (600 Hektar), die zusammengefasst den großen Heidenaturpark bilden sollen. Hinzen sprach dabei von einer langfristigen Zielplanung. Im Ergebnis könnten die Naturgebiete oder der neue Heidenaturpark mehr als bisher auch überregional bekannt gemacht werden und die  Grundlage für ein touristisches Marketing bilden. Zu beteiligen wären dabei nicht nur die betroffenen Kommunen, sondern auch die Wirtschaft, da eine Tourismusförderung auch in deren Sinn sei. Da auch die Umgebung der drei Gebiete einiges zu bieten habe, werde diese in die Planung mit einbezogen, sagte Hinzen und nannte als Beispiele das Wurmtal und die Selfkantbahn.

Die Leitlinien des Masterplans umfassen nach Hinzens Ausführungen sechs Schwerpunkte: Naturqualitäten verbessern, Entwicklung der Verbindungsbereiche, Anbindung an das Wurm- und das Maastal, Integration der Randbereiche, Stärkung der touristischen Funktionen (Attraktionen und Gastronomie) sowie Erschließung und Orientierung (bessere Beschilderung).

Hans-Josef Paulus (CDU)  wollte in der anschließenden Diskussion wissen, ob man sich mit einem solchen Plan nicht einenge oder ob der Plan vor dem Hintergrund der Flurbereinigung nicht eine „Rolle rückwärts“ sei. Planer Ajo Hinzen erwiderte darauf, dass es sich um einen informellen Plan mit großem Spielraum handele, bei dem es nicht um parzellenscharfe Festlegungen gehe. Unterstützung erhielten die Planer von der Verwaltung. Bürgermister Thomas Fiedler verwies darauf, dass die EU großen Wert auf Projekte von der Art des Heidenaturparks lege und dass man deshalb auch mit Fördermitteln rechnen könne, und Beigeordneter Markus Mönter zerstreute Bedenken hinsichtlich einer befürchteten Festlegung mit dem Hinweis, dass eine solche langfristige Planung keine Einschränkung für städtische Planungen bedeute. Nach diesen beruhigenden Ergänzungen gab der Ausschuss eistimmig grünes Licht für den Masterplan Heidenaturpark. (mh)

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