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Straßennamen weisen in Nazi-Zeit: Änderung mehrheitlich abgelehnt

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Redaktion 30. November 2018 4 Minuten gelesen

Geilenkirchen. Die mit großem Engagement vor allem vom Stadtverordneten Rainer Jansen vorgetragenen Argumente blieben im Haupt- und Finanzausschuss ohne Erfolg: Der Antrag der Grünen auf Umbenennung der Möldersstraße und der Carl-Diem-Straße fand keine Mehrheit, der Ausschuss folgte mehrheitlich der Vorlage der Verwaltung zur Beibehaltung der Straßennamen.

Rainer Jansen kritisierte die Haltung der Verwaltung, nach der das Handeln von Personen vor dem Hintergrund der zeitgenössischen  Moral und Rechtprinzipien gesehen werden müsse. Im Fall von Carl Diem wies Jansen darauf hin, dass dieser bereits zur Kaiserzeit mit antisemitischen Aussagen auffiel. Als Sportfunktionär der Nazis habe er dann Juden als „körperlich degeneriert und ungeschickt“ bezeichnet. Doch sei Diem keineswegs nur Sportfunktionär gewesen. Noch zwei Monate vor Kriegsende, als der Krieg bereits verloren war, habe er 2000 Jugendliche bewaffnet und an die Front geschickt. Jansen verwies unter anderem auf das Beispiel anderer Städte, die entsprechende Änderungen der Straßennamen vorgenommen haben.

SPD-Sprecher Christoph Grundmann sah zwar bei einer Namensänderung erhebliche, auch finanzielle Belastungen auf die Bewohner zukommen. Dennoch könne man nicht bei dem Straßennahmen bleiben, müsse aber die Bewohner finanziell unterstützen, sagte er. Christian Kravanja (Bürgerliste) sprach von „Mitläufern“ des Naziregimes, die keine Ehrung verdienten. Dennoch sei die Bürgerliste für die Beibehaltung der Straßennamen, da dies Bürgerwille sei, wie eine Unterschriftenliste zeige, und man wolle nicht gegen Bürger stimmen. Für die CDU schloss sich Max Weiler dieser Haltung an.

Dagegen hielt Rainer Jansen mit der Feststellung, dass in der Stadt schließlich 28.000 Bürger und nicht nur die Anwohner der Carl-Diem-Straße wohnten. Er hielt es für nicht nachvollziehbar, wie man bei einem ausgewiesenen Nazi, Rassisten und Antisemiten von einem „Mitläufer“ sprechen könne. 32 Städte hätten diese Straßennamen geändert und seien nicht im Chaos versunken, hielt er den Befürchtungen der Bürger entgegen. Karola Brandt (Bürgerliste) brachte ein mögliches erläuterndes Zusatzschild ins Gespräch, eine Idee, die im weiteren Verlauf der langen Diskussion verworfen wurde, auch weil sie die Gefahr einer Anziehung für neue Nazis enthalte. Auch Hans-Josef Paulus (CDU) und Wilfried Kleinen (Geilenkirchen bewegen und FDP) sprachen für den Bürgerwillen aus, und die Namensänderung für die Carl-Diemstraße wurde mehrheitlich abgelehnt.

Das gleiche Schicksal erfuhr dann auch die vorgeschlagene Änderung für die Möldersstraße, obwohl Rainer Jansen darauf verwies, dass selbst die Bundeswehr nach einem Bundestagsbeschluss den Namen Mölders aus Benennungen von Kasernen oder Schiffen entfernt hatte. Der später als Fliegerheld gefeierte Mölders habe in Legion Condor im spanischen Bürgerkrieg Krieg gegen Zivilisten und Kinder geführt. Unterstützung erhielt Jansen von Grünen-Sprecher Jürgen Benden, der sich im Fall der Carl-Diem-Straße als Anwohner für befangen erklärt hatte. Benden hielt die Ablehnung der Namensänderungen für „erschreckend“. „Ich will nicht in einer Stadt leben, in der ehemalige Nazis geehrt werden. Wir als Stadt eine moralische Verpflichtung, das nicht zu tun“, sagte er.

Während Christian Kravanja als Sprecher der Bürgerliste die Namensänderung für die Möldersstraße aus den schon im Fall der Carl-Diem-Straße genannten Gründen ablehnte, verband Max Weiler (CDU) seine Ablehnung mit der Feststellung, Mölders habe „seine Pflicht als Soldat erfüllt“, eine Haltung, die später auch Horst-Eberhard Hoffmann (SPD) vertrat.

 Auch die Namensänderung für die Möldersstraße wurde schließlich mehrheitlich vom Ausschuss abgelehnt. Anders verfahren wird mit der Richthofenstraße. Hier folgte die Ausschussmehrheit dem Verwaltungsvorschlag, nach dem dort ein Zusatzschild  die Person des Fliegers aus dem ersten Weltkrieg erläutern soll. (mh)

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