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„Kahlschlag“ in der Teverener Heide: Forstbehörde will die Informationen verbessern

Redaktion Veröffentlicht:11. April 2014 | Aktualisiert:11. April 2014 4 Minuten gelesen

Geilenkirchen. Die Information über Maßnahmen des Bundesforstamtes im Zusammenhang mit der Flugsicherheit für den Nato-Flugplatz Teveren (Awacs-Verband) soll in Zukunft besser werden. Das ist ein Ergebnis aus der intensiven Diskussion im Geilenkirchener Umwelt- und Bauausschuss. Nachdem in den vergangenen Wochen rigorose Abholzungen im Naturschutzgebiet Teverener Heide („Große Heide“) zu heftigen Bürgerprotesten geführt hatten, nahmen in der Sitzung Oberst Werner Nemetschek für den Nato-E 3 A-Verband und der Leiter der zuständigen Bundesforstamtsstelle, Florian Zieseniss, Stellung zu den „Kahlschlag“-Vorwürfen aus der Bevölkerung.

Oberst Nemetschek bedauerte, dass die bisherige Diskussion sich nicht durch Sachkenntnis ausgezeichnet habe. Er ließ auch keinen Zweifel daran, dass Forstaktionen wie die jetzige sich in jedem Jahr wiederholen können. Grund sei die zwingende „Herstellung der Flugsicherheit“. Für Geilenkirchen geht es dabei um den östlichen Bereich als Hauptanflugbereich für den Flugplatz, der sich trichterförmig zum Flugplatz hin verengt. Dieser Trichter habe sich nach Süden hin verbreitert, so der Oberst, da die Piloten – sofern es das Wetter zulasse – beim Anflug um das Stadtgebiet herum fliegen, um die Lärmbelästigung zu mindern. Zwangsläufig  wüchsen in die Anflugschneise immer wieder Bäume hinein, die dann beseitigt oder gestutzt werden müssten.

Dabei, so Oberst Nemetschek, haben sich seit 2008 die Vorschriften geändert. Seit diesem Zeitpunkt müssen auch die Militärflugplätze die strengeren Auflagen der zivilen Luftfahrt beachten. Allerdings sei es nicht der Awacs-Verband, der die Sicherheitsmaßnahmen durchführe. Der Verband stelle lediglich den Antrag auf Herstellung der Flugsicherheit. Die Ausführung liege dann bei der Bundesforstbehörde.

Für den Bundesforstbetrieb nahm im Ausschuss der Leiter des zuständigen Betriebsbereichs Wahner Heide, Florian Zieseniss, Stellung. Er wies darauf hin, dass auf etwa 40 Prozent der betroffenen Fläche Eichen, Buchen und Kiefern, auf dem Rest Birken und andere schnell wachsende Baumarten wachsen. Ein Kappen der Bäume, so Zieseniss, sei nicht sinnvoll, da viele Bäume nicht wieder ausschlügen und so Totholzstämme zurückblieben, was auch zu verstärkter Brandgefahr führen könne. Statt Bäume zu kappen, verwandele der Forstbetrieb vielmehr Hoch- in Niederwald und dieser sei ökologisch wertvoller als eine „Spargel-Totholz-Wüste“, wie man sie nach dem bloßen Kappen von Eichen oder Buchen hinterlassen würde. Der Forstmann räumte allerdings auch ein, dass man künftige Maßnahmen für die Bevölkerung transparenter machen müsse. In Zukunft werde man strukturierter vorgehen, dann gehe es nicht mehr um einzelne Bäume, sondern um Bestände und um ein „dauerhaft grünes Bild“.

In der Diskussion bemängelte Stephan Evertz (Grüne), dass man nicht seit 2008, also seit der Verschärfung der Vorschriften, regelmäßig zu hohe Einzelbäume gefällt habe. Um längere Fristen bis zum Kürzen oder Fällen zu erreichen, wünschte er sich, dass man bei Neuanpflanzungen langsam wachsende Baumarten bevorzuge.

Der Teverener Ortsvorsteher Hans Josef Paulus (CDU) schlug vor, an den Flächen des Einflugbereichs auf Bäume zu verzichten und stattdessen Heide anzupflanzen. Das allerdings ist nach den Ausführungen von Florian Zieseniss nicht möglich, da dazu eine Gesetzesänderung notwendig sei. Paulus betonte ausdrücklich das gute Verhältnis der Teverener Bürger zum Awacs-Verband und stellte fest, dass die Flugsicherheit nicht zur Disposition stehen dürfe. Dennoch sei man nicht bereit, sich von Bundesforst und unterer Landschaftsbehörde „weiter an der Nase herumführen“ zu lassen. Notfalls müsse man über eine Neufassung des Vertrags zwischen Stadt und Militär nachdenken, um wieder ein echtes Mitspracherecht zu erlangen.  Er erinnerte an ein Gerichtsurteil in den Niederlanden, nach dem dort gefällte Baumarten wieder aufgeforstet werden müssen,

Ohne Gegenstimme folgte der Ausschuss schließlich dem Vorschlag der Verwaltung, mit dem Bundesforstbetrieb zu vereinbaren, dass jährlich die geplanten Forstnahmen im Bereich der Einflugschneise Ost zum Nato-Flugplatz Teveren in einem Ratsgremium vorgestellt werden sollen. Ergänzt wurde dieser Beschluss noch mit dem Zusatz, dass der Forstbetrieb einen strukturierten Plan zu den Vegetationsarten vorlegt. Zu einem versöhnlichen Ende der Diskussion trug auch Oberst Nemetschek bei, der sich ausdrücklich bei der Geilenkirchener Bevölkerung für das Verständnis bedankte, mit dem diese die Belastung durch das mit dem Einsatz über der Ukraine verstärkte Flugaufkommen hinnehme. (mh)

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