Afrika-Lok der Selfkantbahn wird am „Tag der Schiene“ getauft – Aus Togo geholt

Aus Togo zurück und soll jetzt einen Namen bekommen. Die Diesellok V11.

Kreis Heinsberg. Bei der Selfkantbahn wird am Samstag, 17. September, die aus Togo zurückgeholte, originale Lok der Geilenkirchener Kreisbahn aus dem Jahr 1955 getauft. Den 16.und 17. September hat die Bundesregierung zum „Tag der Schiene“ ausgerufen. An diesen beiden Tagen sind zahlreiche Veranstaltungen bundesweit bei Herstellern und Eisenbahnen vorgesehen, um das mediale Interesse auf den schienengebundenen Verkehr flächendeckend zu lenken. Im Verbund mit dem Bundesverband der Museums- und Touristikbahnen wird das Kleinbahnmuseum Selfkantbahn auch diesem Ruf folgen und die Gelegenheit nutzen, die Diesellokomotive V11 offiziell in Betrieb zu nehmen und durch politische Vertreter taufen zu lassen. Die originale Diesellokomotive „V 11“ der Selfkantbahn mit einem offiziellen Namen versehen werden.

Wie begann diese Geschichte? In den 1950er-Jahren waren schmalspurige Eisenbahnen in Deutschland schon weitgehend im Rückzug begriffen. Einst als Bringer des Wohlstands ain Ländlichen Regionen unabdingbar, hatte sie damals schon der Straßenverkehr vielerorts verdrängt. Um ihren Betrieb rationeller zu gestalten, kauften die Geilenkirchener Kreisbahnen 1955 bei Klöckner-Humboldt-Deutz in Köln zwei kleine Diesellokomotiven mit 135 PS, die die schon über 50 Jahre alten Dampflokomotiven ablösten. Schon nach kurzer Einsatzzeit im werksoriginalen Erscheinungsbild wurden die Maschinen durch Aufbau von hohen Pufferbohlen für den Verkehr mit aufgerollten Regelspur-Güterwagen angepaßt und erhielten so ihr markantes Äußeres, das Eisenbahnfreunde noch heute schätzen. Damit konnte die Kleinbahn immerhin noch bis 1972 den Güterverkehr aufrechterhalten und überlebte somit bis in eine Zeit, da engagierte Eisenbahnfreunde den Mut hatten, eine Eisenbahn in eigener Regie als lebendiges Denkmal zu erhalten – so die heutige Selfkantbahn, die seit 1969 von ehrenamtlichen Mitarbeitern am Leben erhalten wird. Doch die beiden noch recht neuen Diesellokomotiven konnten erst einmal nicht gehalten werden – die Baufirma DYWIDAG erwarb sie und verschiffte sie nach Togo in Afrika. Nach kurzer Einsatzzeit blieben sie beide abgestellt und rosteten vor sich hin. Erst im Jahr 2000 gelang es einem Mitarbeiter der Selfkantbahn, die letzte dort noch vorhandene Lok wieder ausfindig zu machen und zu erwerben. Die Schwesterlok V 10 war leider nicht mehr auffindbar –
man sagt, sie sei bei Bau einer Hafenmole als Wellenbrecher versenkt worden.
Nach schwierigen Verhandlungen und langer Schiffsreise zurück erreichte die GKB V 11, in Togo hieß sie CFT H 9, im Januar 2001 wieder die heimischen Gleise. Die fast 30 Jahre in Westafrika hatten ihr arg zugesetzt, und in den folgenden Jahren haben die Museumsbahner es dennoch geschafft, aus einem rostigen Wrack wieder eine Lokomotive zu zaubern, die wie einst im Jahr 1955 wieder neuwertig über die Gleise im Selfkant rollen kann. Ein neuer Motor und ein aufgearbeitetes Getriebe waren nur die größten „Brocken“ dabei. Seit über zwei Jahren ist sie nun zuverlässig und unauffällig wieder in der Heimat unterwegs; und trägt auch wieder sichtlich mit Stolz ihre hochgebauten Puffer durch die Lande.

Seit Anfang 2022 muß sie nun die Hauptlast des Betriebes tragen, da die gewohnte Dampflok immer noch in Reparatur ist und dringend benötigte Teile auf sich warten lassen. Daher wurde der anstehende „Tag der Schiene“ auserkoren, daß sie nach nun 67 Jahren doch einen Namen erhalten wird. Aber welcher, das wird nicht verraten. Wer dabei sein möchte ist zur Taufe und anschließender Sonderfahrt am Samstag um 16.30 Uhr in der Museumshalle der Selfkantbahn in Gangelt-Schierwaldenrath herzlich willkommen.

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