Jugendliche aus Übach-Palenberg präsentieren Pavillon als Freiluftklassenzimmer – „Kammer in der Schule“

Projekt (KidS) der Architektenkammer NRW

Gruppenbild mit den Schülern, die an dem Projekt mitgearbeitet haben.

Übach-Palenberg. Ein Freiluftklassenzimmer und Pausentreff inmitten attraktiver Außenanlagen – diese Planungsidee entwickelten Schülerinnen und Schüler der Willy-Brandt-Gesamtschule in Übach-Palenberg im Rahmen eines „Kammer in der Schule“-Projektes (KidS) der Architektenkammer NRW. Jetzt ist das Bauprojekt fertiggestellt worden – und konnte der Öffentlichkeit zum Auftakt des diesjährigen „Frühlingsfestes“ der Schule vorgestellt werden.

Das „Kammer in der Schule“-Projekt war im Frühjahr 2018 gestartet. Jugendliche der Schülervertretung sowie aus den Klassen 8, 10 und der Oberstufe entwickelten Konzepte zur Nutzung einer weitgehend brachliegenden Fläche am Rande des Schulhofs. Es entstand die Idee, einen sechseckigen Pavillonbau zu errichten, der als Aufenthaltsraum im Freien, als Bühne und als Freiluftklassenzimmer genutzt werden könnte.

Konkret wurde das Vorhaben, als die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen die Konzeptskizze zu einem neuen Projekt im Rahmen ihres Aktionsprogramms „Architektur macht Schule!“ ernannte und den Landschaftsarchitekten Andreas Hermanns aus Schwalmtal bat, das Vorhaben fachlich zu begleiten. „Der Ansatz unserer KidS-Projekte ist, keinen trockenen Lehrstoff in die Schulen zu tragen, sondern die Schülerinnen und Schüler anhand konkreter Planungs- und Bauprojekte an ihren Schulen erste Erfahrungen mit den Themen Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur und auch zu städtebaulichen Fragen sammeln zu lassen“, erläuterte Ernst Uhing, Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, anlässlich der Abschlusspräsentation des Projektes in Übach-Palenberg den Hintergrund der Kampagne „Architektur macht Schule!“. Anhand einer konkreten Problemstellung vor Ort, in ihrer Schule oder unmittelbaren Umgebung sollen Schülerinnen und Schüler erleben, was gute Architektur ausmacht, und wie man diese durch eigenes Engagement beeinflussen kann.

„Die Jugendlichen wünschten sich einen geschützten Raum im Freien, der multifunktional genutzt werden sollte“, erläuterte Landschaftsarchitekt Andreas Hermanns bei der öffentlichen Vorstellung des „Kammer in der Schule“-Projektes am 4. Mai. „Gemeinsam haben wir einen Pavillon konzipiert, der sowohl als Open-Air-Klassenraum für bis zu 30 Personen als auch für Gruppenarbeiten, als Bühne oder als Grillhütte genutzt werden kann.“ Das KidS-Projekt umfasste die theoretische Planung und organisatorische Aufgaben, aber auch praktische Arbeiten, welche die Schüler unter fachlicher Anleitung selbst übernahmen: die Befestigung des Bodens und Pflasterung der Fläche, den Bau von Gabionen-Bänken mit Holzauflagen und kleinere technische Arbeiten. Die Errichtung des aus Holz konstruierten Pavillons selbst musste – schon aus rechtlichen Gründen – die liefernde Fachfirma übernehmen.

Die Kosten des Gesamtprojektes lagen bei etwa 12.000 Euro. Die Finanzierung konnte die Willy-Brandt-Gesamtschule selbst leisten, nachdem sie in den vergangenen Jahren zweimal einen „Schulentwicklungspreis“ gewonnen hatte. Außerdem akquirierten die Schülerinnen und Schüler selbst weitere Mittel über ein Crowdfunding-Projekt.

Die beteiligten Jugendlichen, die überwiegend aus den höheren Klassen der Gesamtschule kamen, sollten durch die Projektarbeit ein Gefühl für den Ablauf von Planungs- und Bauprozessen sowie für Materialien entwickeln und praktische Fertigkeiten erlernen. Ein Technik-Lehrer betreute das Projekt vor Ort. „Das KidS-Projekt der Architektenkammer NRW stellt für uns als Schule eine Bereicherung dar und für die beteiligten Schülerinnen und Schüler eine intensive Erfahrung des interdisziplinären Arbeitens“, bekräftigte Heike Schlößer, die stellvertretende Leiterin der Willy-Brandt-Gesamtschule. „Ich bin sicher, dass über das KidS-Projekt für viele auch die Identifikation mit ihrer Schule gestärkt wurde.“

Die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen möchte mit ihren KidS-Projekten Kinder und Jugendliche für ihre gebaute Umwelt sensibilisieren, betonte Kammerpräsident Ernst Uhing. „Unsere KidS-Projekte berühren ganz verschiedene Lehrinhalte, von Mathematik über Sozialkunde bis hin zu Kunst und Werkfächern. Dass am Schluss nun ein gebautes Objekt steht, ist eine ungeheure Motivation und eine tolle Belohnung für die gesamte Schule!“

Aktionsprogramm „Architektur macht Schule!“ der Architektenkammer NRW

Die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen führt die „Kammer in der Schule“-Projekte im Rahmen ihrer Aktionsplattform „Architektur macht Schule!“ durch, mit der schon junge Menschen für die Belange ihrer gebauten Umwelt sensibilisiert werden sollen. „Es ist uns ein zentrales Anliegen, den Schülerinnen und Schülern zu vermitteln, dass sie selbst ihr Umfeld beeinflussen und positiv gestalten können“, erläuterte Gabriele Richter von der Architektenkammer NRW. Die Kammer bietet auch Schulbücher und Unterrichtseinheiten zum Themenfeld Architektur / Innenarchitektur / Landschaftsarchitektur / Stadtplanung an und vermittelt interessierten Schulen Architektinnen und Architekten, die Erfahrungen mit der Durchführung von Schulprojekten haben.