Modernste Löschfahrzeuge für die Eisenbahntunnelrettung auf den „historischen Schienen“ der Selfkantbahn getestet

Für den Einsatz in den Schweizer Bergen am Matterhorn und dem Fuka vorgesehen - Fahrzeuge werden in Maastricht gebaut

Das erste "Zweiwege-Löschfahrzeuge absolvierte die ersten Testfahrten auf den Schienen der historischen Eisenbahn in Gangelt

Kreis Heinsberg. Die Gleise der Selfkantbahn sind bekannt für nostalgische Fahrten und ist die letzte noch verbliebene Schmalspurbahn in der Region. Die Gleisbreite sowie die vorhandene Infrastruktur im Schienengebiet war jetzt der Grund für Testfahrten eines hochmodernen und innovativen Löschfahrzeugs. Am Freitag wurde das erste Fahrzeug auf den Schienen der Selfkantbahn ausgiebig auf die Funktionalität und die Schienentauglichkeit getestet. Alle, die an diesem Tag ein Feuerwehrfahrzeug auf den Schienen der Historischen Eisenbahn sahen, hatten keine Halluzinationen. Das neue Lösch- und Rettungsfahrzeug wird von der schweizerische Matterhorn Gotthard Bahn (MGBahn) beschafft und derzeit bei der Hilton Kommunal GmbH, stammend aus den benachbarten Niederlanden, final getestet. Vier neue Zweiwegefahrzeuge für die Tunnelrettung am Furka-Pass werden angeschafft. Die neuartigen Zweiwege-Löschfahrzeuge sind für Einsätze bei allen Brandereignisse geeignet.

Bei Zweiwege-Löschfahrzeugen handelt es sich um Fahrzeuge, die sowohl auf der Straße als auch auf Gleisen eingesetzt werden können. Die neuen Fahrzeuge zeichnen sich dadurch aus, dass sie verschiedene bewährte Systeme miteinander kombinieren. Bisherige Zweiwege-Rettungsfahrzeuge waren weder mit Überdruckcontainern zur Versorgung von Personen mit Atemluft ohne Masken ausgerüstet noch konnten diese in Doppeltraktion (Antrieb einer Zugskomposition mit zwei Triebfahrzeugen) verkehren. Bei Tunnelrettungskompositionen kommen Doppeltraktionen insbesondere deshalb zum Einsatz, um Löscheinheit einerseits und Rettungs- und Sanitätseinheit andererseits im Bedarfsfall trennen zu können. So lassen sich die Lösch- und Rettungsarbeiten im Tunnel fortsetzen, während mittels der zweiten Einheit betroffene Passagiere bereits zum nächsten Portalstandort evakuiert werden können.

Die neuen Rettungskompositionen der MGBahn verbinden nun erstmalig alle genannten Komponenten, indem ein LKW mit Lösch- und Rettungs-Aufbau (1. Einheit), ein Sanitätseisenbahnwagen sowie ein LKW mit Personentransport-Aufbau (2. Einheit) zu einer Rettungszugskomposition zusammengestellt werden. Sie werden an den Portalstandorten des Furkatunnels in Oberwald (CH, Kanton VS) und Realp (CH, Kanton UR) stationiert.

Neue Fahrzeuge haben viele Vorteile

Die zukünftigen Rettungszüge bringen gleich mehrere Vorteile für die MGBahn mit sich: Da für den Antrieb LKWs mit herkömmlichen Dieselmotoren verwendet werden können, entfällt die Beschaffung von eigens für die Tunnelrettung bereitstehenden Lokomotiven, wodurch sich die Anschaffungskosten deutlich reduzieren lassen. Zudem können dank der zusätzlichen Überdruckcontainer auf den Ladeflächen der Lastwagen im Ereignisfall 60 anstatt wie bisher 30 Personen pro Fahrt evakuiert werden. Nicht zuletzt finden die Kompositionen mit einer Länge von 39 Metern Platz in den 40 Meter langen Remisen in Oberwald und Realp. Im Ereignisfall sind sie so sofort einsatzfähig, ohne dass zunächst noch eine Lokomotive angekoppelt werden muss.

Die bei der Hilton Kommunal GmbH in Auftrag gegebenen Zweiwegfahrzeuge bauen auf dem Modell Arocs 8×4 mit 421 kW Motorenleistung von Mercedes auf. Die Lastwagen werden zusätzlich mit einem Hilfsrahmen ausgestattet, an dem die beiden Drehgestelle des Schienenfahrwerks montiert sind. Je zwei Lastwagen können in Vielfachsteuerung (Wendezugsteuerung) verkehren, wodurch die Komposition als Ganzes in den Tunnel einfahren und dort zur Personenrettung getrennt werden kann. Für die Bedienung verfügen die Fahrzeuge neben den Führerständen im LKW-Fahrerhaus zusätzlich über Hilfsführerstände auf den Heckseiten der Lastwagen sowie auf den Sanitätswagen. Die Höchstgeschwindigkeit der Rettungszüge beträgt 50 Stundenkilometer. Das Auftragsvolumen beläuft sich auf über fünf Millionen Schweizer Franken

Nach der rund 18-monatigen Bauzeit wird das erste Fahrzeug jetzt erstmalig bei der Innotrans-Messe in Berlin vorgestellt.

Über die Hilton Kommunal GmbH

Die Hilton Kommunal GmbH gehört zu den führenden Anbietern im Bereich Zweiwegetechnik. Mit ca. 100 Mitarbeitern werden an den Standorten Gehrden (Deutschland) und Maastricht (Niederlande) modernste Zweiwegefahrzeuge für kundenspezifische Anwendungen gefertigt. Alle Fahrzeuge werden in kompletter Eigenentwicklung hergestellt.  Neben der Zweiwegtechnik werden im Werk Maastricht auch Feuerwehrfahrzeuge hergestellt. Hierdurch bietet Hilton als einziger Hersteller weltweit die perfekte Integration von Zweiwegetechnik und Know-how im Bereich von feuerwehrtechnischen Aufbauten. Den Kunden wird hierdurch eine Komplettlösung für Tunnelrettungsfahrzeuge aus einer Hand geboten.

Über die Matterhorn Gotthard Bahn

Die Matterhorn Gotthard Bahn (MGBahn) hat eine führende Rolle bei der Steuerung des Regionalverkehrs vom Vollknoten Visp ins Mattertal, ins Goms und in die Gotthardregion. Diese Verkehrsdienstleistung erbringt die Bahn im Auftrag der Standortkantone und erhält dafür öffentliche Gelder. Die Bahn ist Teil der BVZ Holding AG, zu der auch die Gornergrat Bahn gehört. Auf der Strecke zwischen Göschenen/Disentis und Zermatt befördert die MGBahn jährlich mehr als sechs Mio. Reisende. Zwischen Täsch und Zermatt betreibt sie den Zermatt Shuttle, der die Fahrgäste vom Matterhorn Terminal Täsch in die autofreie Tourismusdestination bringt. Zudem erbringt die Matterhorn Gotthard Bahn ergänzende Dienstleistungen mit dem Autoverlad Furka, den Autobuslinien und dem Gütertransport nach Zermatt. Gemeinsam mit der Rhätischen Bahn betreibt sie den international bekannten touristischen Erlebniszug «Glacier Express».